Deep Dives

The TCM View on Sleep

Schlaf ist in der westlichen Medizin oft auf Stunden und Schlafphasen reduziert. Doch aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin ist Schlaf weit mehr als nur eine passive Ruhephase. Er ist die Zeit, in der sich Yin und Yang neu kalibrieren, in der die Organsysteme regenerieren und in der die Essenz (Jing) geschützt wird. Guter Schlaf ist die Basis für Vitalität, Schönheit und ein langes Leben. Schlechter Schlaf hingegen schwächt die konstitutionelle Reserve und beschleunigt den Alterungsprozess.

YIN UND YANG: DER RHYTHMUS VON TAG UND NACHT

In der TCM wird der Tag-Nacht-Rhythmus als natürlicher Wechsel zwischen Yang (Aktivität, Wärme, Dynamik) und Yin (Ruhe, Kühle, Regeneration) verstanden. Tagsüber dominiert das Yang, abends und nachts das Yin. Schlaf ist die Zeit, in der das Yin aufgebaut wird – jene Energie, die für Regeneration, Flüssigkeitshaushalt und innere Ruhe steht. Wenn das Yin geschwächt ist, etwa durch chronischen Stress, Überarbeitung oder hormonelle Dysbalancen in der Menopause, kann der Körper nicht mehr richtig in den Schlaf finden. Die Folge: innere Unruhe, Nachtschweiß, Hitzewallungen und ein Gefühl der Erschöpfung trotz Ruhe.

DIE ORGANUHR: WENN DER KÖRPER SPRICHT

Ein faszinierendes Konzept der TCM ist die Organuhr. Sie besagt, dass jedes Organ zu einer bestimmten Tageszeit am aktivsten ist und in dieser Zeit besonders viel Qi (Bioenergie) benötigt. Zwischen 23 und 1 Uhr ist die Zeit der Gallenblase, die für Entscheidungsfindung und Entgiftung zuständig ist. Von 1 bis 3 Uhr ist die Leber am aktivsten – das zentrale Organ für Entgiftung und Blutreinigung. Wenn du regelmäßig zu diesen Zeiten aufwachst, deutet das aus TCM-Sicht auf eine Dysbalance in diesen Organsystemen hin. Moderne Forschung bestätigt: Die Leber hat tatsächlich einen zirkadianen Rhythmus und ist nachts besonders aktiv in der Entgiftung.

SCHLAF UND DIE WEIBLICHE GESUNDHEIT

In der Menopause gerät das empfindliche Gleichgewicht zwischen Yin und Yang oft ins Wanken. Sinkende Östrogenspiegel schwächen das Yin, was zu Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafstörungen führt. Chronischer Stress erhöht das Yang, was innere Unruhe und Einschlafprobleme verursacht. Die TCM setzt hier auf Kräuter, die das Yin nähren und das Yang beruhigen. Ashwagandha, ein Adaptogen, das in der TCM-verwandten ayurvedischen Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt wird, hilft dem Körper, die Stressachse zu regulieren und den Übergang in die Yin-Phase zu erleichtern. Safran unterstützt die emotionale Balance und fördert die Schlafqualität.